Vieille prune
- danah62
- 11. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Als ich vor ein paar Tagen hurti mein Fächli am Arbeitsplatz meines Vertrauens beaugapfelte, strahlte mir ein wunderbares Wort entgegen: Zwetschge. Es war liebevoll auf eine Etikette gedruckt.
Ich bin begeistert von dieser Frucht und ihren Eigenschaften und verehre sie. Schon ihr Name ist ein Statement: Die seltene Kombination im Anlaut (W nach Z) hat wenig ernstzunehmende Konkurrenz: Die Zwiebel treibt einem die Tränen in die Augen und Zweifel lassen unsere Muskulatur binnen Sekunden erschlaffen.
Anders die Zwetschge! Ihr saftiges Innenleben verbirgt sich dem Unwissenden, denn sie weiss mit einer aalglatten Haut zu kokettieren. Ich liebe diese Eigenschaft - viele Mitmenschinnen könnten von ihr lernen. Denn seit Jahren wünsche ich mir einen zunehmenden Verhüllungswillen, wenn ich mich des Sommers mit Ruder und Brett in der Nähe von anderen Zeitgeniesserinnen mit Badekostümierung aufhalte. Diese freizügig blutten Hinterbacken sind beängstigend!
Sollte ich einmal vermisst werden, dann sucht dort in den Ritzen. Es könnte sein, dass ich zwischen zwei gigantischen Freilandhammen eingeklemmt worden und im Begriff bin, auf barbarische Weise zermalmt zu werden. Vermutlich würden meine Schreie nicht gehört, da die Keulen bei jedem Schritt geräuschvoll aufeinander klatschen – wie die Flut am Dreimaster.
Wo ist die Gleichberechtigung, wenn man sie mal braucht? Die Männer haben in den letzten Jahren die Dimensionen ihrer Badetextilien stets ausgeweitet, sodass sie wohl bald mit langärmeligen Badehosen untertauchen. Bevor es so weit ist: denkt an eine milde Stoffspende zugunsten der minderwertig ausgerüsteten Damen. Danke.
Aber bitte auch hier nicht bis zum Konträren übertreiben! Ich mag mir nicht vorstellen, welche Panikattacken mich heimsuchen würden, wenn ich mir die Ärsche der Mannsbilder auch noch alle ansehen müsste! Allmächtiger, sei gnädig!
Item:
Die Zwetschge besitzt die Klugheit, nur für eine kurze Zeitspanne essreif zu sein. Damit hat sie die Menschheit dazu bewogen, sich auf eine weitere, nachhaltige Verwendung ihres Innenlebens zu konzentrieren. Denn wenn wir die ganze Zwetschgenschwemme während der Reifezeit verzehren würden, wären wir alle kränklich, weil überzuckert. Also muss man im richtigen Moment Handeln, den edlen Saft in einen Gebrannten verwandeln und in Flaschen für besondere Momente bereitstellen. Der Vorgang lässt sich mit der Herstellung von Diamanten vergleichen.
Falls ihr mal meinen Namen vergesst – nennt mich einfach Vieilleprune und ich liege euch zu Füssen!
Nun, über dieses inspirierende Geschenk anlässlich meines liebgewordenen 33sten Geburtstages habe ich mich umfassend gefreut und mir gleichentags ein Gläschen eingeschenkt – nicht von der Konfitüre, welche ich als Diabetikerin der Familie überlasse…

Kommentare