Herrensache
- danah62
- 10. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Das Copyright für diese Wortschöpfung ist im Besitz von Thöme, unserem Pianisten. Er hat es wohl in jugendlichem Leichtsinn benutzt und nicht vorausgesehen, dass es in mir eine Schockverliebtheit auslöst.
Das passiert mir selten. Viel häufiger kann ich eine Wortanwendung auf Anhieb nicht leiden, ohne zu wissen, weshalb. Dann lohnt es sich meist, ein paar Minuten darüber nachzudenken, dann habe ich die Gründe beisammen. Bei Menschen kann das auch vorkommen.
Herrensachen könnte ich viel erzählen, wenn ich wollte, aber das gehört sich nicht. Jedenfalls habe ich in meinem Leben die vielfältigsten Modelle mit den unterschiedlichsten Hut-, Fuss- und Schw…einestallgrössen getroffen.
Der jüngste Gentleman, der mich nachhaltig beeindruckte, war gerade acht Jahre alt, als wir miteinander zu tun hatten. Nennen wir ihn Remo… Er war mein Schüler und tat sich schwer mit einer Rechenaufgabe. Deswegen stand er händeringend und bleistiftschwenkend an meinem Pult und ersuchte mich um Unterstützung. Bei der Gestikuliererei spickte sein vielleicht noch knapp zehn Zentimeter langer Bleistift davon, versenkte sich zielgerade im Decolleté meines Sommerkleides und verschwand schwungvoll in der Klus. Wir schauten einander einen Moment lang in die Augen, danach griff ich in meinen Ausschnitt und holte den Stift wieder heraus. Dann trafen sich unsere Blicke erneut, wir verloren die Beherrschung und prusteten beide los. Die restlichen, konzentriert rechnenden Kinder hoben ihre Köpfe und schauten fragend nach vorn. Erste Stimmen wurden laut, welche eine Erklärung für unser Gelächter forderten. Das Wort ergriff als erstes der kleine Remo, welcher seine beiden Arme mit einer Geste des Bedauerns links und rechts von sich streckte und deutlich klarstellte: „Das isch üsi Sach!“. Auch in der folgenden Pause war nichts aus ihm herauszukriegen. Es blieb unter uns. Die Männer in meinem Umfeld zeigten praktisch alle die gleiche Reaktion auf diese Erzählung: „Ich hätte gefragt, ob ich den Stift auch wieder herausnehmen darf.“ Dabei erinnerten sie an das Verursacherprinzip.
Wir Menschen sind wie Gjätt. Manche wurzeln tief und andere machen sich nur an der Oberfläche breit. Die selbigen versuchen rasch einen grossen Auftritt hinzulegen und viel Territorium zu gewinnen, lassen sich aber auch mit einer Handbewegung ausrupfen und wieder entfernen. Vom kleinen Remo könnten viele Männer etwas lernen. Ich meine die Sorte, welche mir nicht als Freunde, sondern als Trainer in Erinnerung geblieben sind.
Einer der prägendsten Männer meines Lebens will heute für mich kochen. Er hat mich über eine längere Zeit schonungslos trainiert. Es ist Muttertag.

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